"So einen Arbeitseinsatz kann ich allen Politkern nur wärmstens empfehlen"

Bundestagskandidat Nicolas Schäfstoß arbeitet in der Forst- und Landschaftspflege der Neuen Arbeit mit, um sich an der Basis selbst ein Bild von der Arbeitshilfe zu machen.

Am 8. August, frühmorgens um 7 Uhr, begleitet Nicolas Schäfstoß die Arbeiter aus der Forst- und Landschaftspflege beim entfernen sogenannter „Neophyten“. Das sind Pflanzen aus fernen Ländern, die in unserer Natur natürlicherweise nicht vorkommen, wie z.B. das asiatische Springkraut. Nicolas Schäfstoß hält nicht nur für die Kamera die Schaufel in der Hand, sondern er packt vier Stunden richtig mit an.

Die Arbeiter haben das geschätzt, die übliche Distanz wird aufgehoben, denn im Wald sind alle per „Du“. Bei einer Zigarettenpause erzählen die Arbeiter von Ihren Sorgen und Nöten.

Herr Schäfstoß, wie war der Arbeitseinsatz?

Ich lebe noch. Ich bin schmutzig und verschwitzt. Es war für mich sehr eindrücklich die Leute aus nächster Nähe zu erleben, das war eine nette Truppe im Wald.

Mein Eindruck ist: Die Menschen wollen arbeiten und sie schätzen die Möglichkeit sehr, dass sie arbeiten können. Sie machen sich aber auch Gedanken warum ihre Arbeit so wenig wert ist. Sie haben mir von ihren vielfältigen Problemen berichtet, z.B. den privaten mit ihren Kindern, aber auch von den positiven und negativen Erfahrungen mit dem Job Center.

Sie wünschen sich längerfristige Verträge, damit Sie zumindest mal für ein Jahr Sicherheit haben. Aktuell haben sie große Sorge, dass es die bestehenden Angebote aufgrund der Kürzungen in der Arbeitshilfe nicht mehr geben wird.

Was haben Ihnen diese vier Stunden im Wald gebracht?

Ich kann jetzt gut mitreden. Wenn jemand entwertend oder schlecht über diese Menschen spricht, dass die nur faul sind und gefordert wird, dass die kostenlos unseren Dreck wegräumen sollen, dann kann ich für die Wertschätzung dieser Menschen sorgen und aus eigener Erfahrung sagen, wie anstrengend und sinnvoll diese Arbeit ist und dass diese honoriert werden muss. Ich denke jetzt noch mal anders darüber nach, wie man das Thema Ein-Euro-Jobs und öffentlich geförderte Beschäftigung angehen kann und was menschliche Arbeit eigentlich wert ist. Ich habe heute gesehen, dass es Menschen gibt, die nicht in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrierbar sind. Es gab aber einen Mann, der hat aus meiner Sicht gute Chancen, er schreibt Bewerbungen, aber vielleicht ist er schon zu alt. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Menschen in den Arbeitshilfeprojekten weggesperrt werden. Sicher gibt es hier einen schwierigen Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Für manche ist es aber überhaupt gut, dass ihre Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt und der Tag strukturiert ist. Mir wurde heute berichtet, das die Alternative oft darin besteht, Zuhause vor der Glotze zu bleiben. Ich bin dafür, dass wir den betroffenen Menschen eine Arbeit auf Basis des Mindestlohns ermöglichen sollen, das rechnet sich auch für die Gesellschaft. Die können dann abends nach Haus gehen und sagen, ich kann mir nur ein einfaches Leben finanzieren, aber ich kann es und ich muss nicht immer zum Amt. Ich kann allen Politikern nur wärmstens empfehlen so einen Arbeitseinsatz zu machen.

Was machen Sie jetzt?

Ich dusche jetzt erst einmal, gehe dann noch ins Büro und heute Abend habe ich schon den nächsten Termin.