Wie geht es Langzeitarbeitslosen 2025?

Über 100 Menschen kamen zu „Prognose 2025 – Lebensperspektiven von benachteiligten und arbeitslosen Menschen im Jahr 2025“. Organisiert wurde die Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus Heslach von der Denkfabrik des Sozialunternehmens Neue Arbeit in Kooperation mit dem Fritz-Erler-Forum, dem Regionalbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Ulrike Herrmann von der tageszeitung rechnet im Jahr 2025 mit Vollbeschäftigung - aufgrund des demographischen Wandels. Heute würden die Unterschichten noch von den guten bezahlten Arbeitsplätzen ferngehalten, doch dies werde sich ändern. „Man wird jedes Kind fördern und fordern, man wird seinen Sprachfortschritt schon ab dem frühsten Alter kontrollieren”, so Herrmann. Man könne dies eine Militarisierung der Bildung" nennen: „Niemand wird zurückgelassen, aber es muss auch jeder funktionieren.”

Für langzeitarbeitslose Menschen werde sich die Situation jedoch verschärfen: „Schon jetzt wird Arbeitslosigkeit gern als individuelle Schuld betrachtet – dieser Trend wird zunehmen. Wer 2025 keine Stelle hat, wird als Schwächling und als fauler Versager gelten. Dieses angebliche Versagen wird dann abgestraft”, so Herrmann. “Arbeitslosigkeit wird zur ultimativen Schande und gnadenlos stigmatisiert.”

Die Wirtschaft werde auch in Zukunft nicht alle Langzeitarbeitslosen aufnehmen können, zumal noch mehr Einfach-Arbeitsplätze wegfielen. Das zeige auch die heutige Regelung bei Schwerbehinderten. Nur 27 Prozent der Unternehmen beschäftigen Schwerbehinderte, ähnlich werde es mit Langzeitarbeitslosen sein. Ein sozialer Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose sei deshalb notwendig: „Der Staat muss weiterhin einen Schutzraum für all jene Erwerbspersonen bieten, die sich nicht selbstverständlich und mühelos an die Erfordernisse der Betriebe anpassen können.”

Langzeitarbeitslosigkeit bleibt ein Problem

Martin Dietz vom „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ sowie Michael Dauderstädt von der Friedrich-Ebert-Stiftung stellten dar, wie schwierig Prognosen zu erstellen sind. Auch sie gehen davon aus, dass das Arbeitskräftepotential und damit die Arbeitslosigkeit insgesamt sinkt. Trotzdem erwartet Dietz, dass die Langzeitarbeitslosigkeit weiterhin ein Problem sein wird. Im Moment sind mehr als eine Million Menschen ein Jahr oder länger arbeitslos. 520.000 Menschen länger als zwei Jahre, 200.000 länger als vier Jahre. Besonders Ältere trügen ein hohes Risiko. „Wir haben heute Probleme auf dem Arbeitsmarkt, die wir angehen müssen, wenn wir die Probleme in zwölf Jahren nicht auch noch haben wollen“, so Dietz.

Michael Dauderstädt betonte, dass es neben der Demographie noch andere Einflussfaktoren für den Arbeitsmarkt gibt, etwa Wachstum, Produktivität oder die Arbeitszeiten. So sei zwar die Zahl der Beschäftigten in Deutschland gestiegen, die Menge der Arbeitsstunden aber kaum. Das weise auf mehr Teilzeit und Minijobs hin.

Unterstützung wird zurückgefahren

Marcus Nensel, bei der Neuen Arbeit zuständig für die Jugendberufshilfe, machte deutlich, wie schwer es oft ist, Langzeitarbeitslose zu unterstützen: „Es kann sein, dass die Jugendlichen hungrig zur Arbeit kommen, weil das einzige Essen Tütensuppen sind. Es gibt ganz praktische Dinge, die man tun muss, um mit dem Lernen zu beginnen.” Auch brauche man viel Geduld: „Manchmal dauert es drei oder vier Jahre, bis jemand soweit ist.” Nensel wies darauf hin, dass die Hilfe für Langzeitarbeitslose dramatisch zurückgeht: „Es ist am Besten, die Menschen in einer Arbeit zu fördern. Aber die individuellen Unterstützungsmöglichkeiten werden drastisch zurückgefahren.”

Für Herrmann sind Bildung und Qualifizierung der Schlüssel für die Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit. „Als erstes müssen wir das dreigliedrige Schulsystem abschaffen”, meinte sie pointiert. Die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen sei auch im Hinblick mit Blick auf den Fachkräftemangel notwendig, denn allein mit Einwanderung könne dieser nicht gedeckt werden.