Im Rathaus warb „Aktion Mensch“ um neue Projekte. Ralf Kaltenberger und Ralf Ehring von der Neuen Arbeit (ganz links) berichteten von den Erfahrungen der NintegrA.

„Aktion Mensch“ wirbt mit NintegrA für neue Projekte

Mit einer Pressekonferenz im Rathaus hat „Aktion Mensch“ dafür geworben, neue Projekte für eine Förderung einzureichen. „Gesucht werden Initiativen, die neue inklusive Begegnungen schaffen“, so Friedhelm Peiffer, Leiter der Aktion Mensch-Förderung. „Die Menschen, die bei uns in der Lotterie spielen, finanzieren nicht nur, sie sind auch Träger einer großen Idee“, meinte Peiffer. Wichtig sei das zivilgesellschaftliche Engagement vor Ort. Deshalb wolle man dafür werben, dass die Stuttgarter sich auf den Weg machen und initiativ werden.

Wie das geschehen kann wurde auf der Pressekonferenz am Beispiel der NintegrA, einem Tochterunternehmen der Neuen Arbeit, gezeigt. Es fertigt unter anderem das Holzbausystem Palisadio und wird von Aktion Mensch unterstützt. „Wir haben 28 Mitarbeiter, davon acht ohne Behinderung“, so Fachbereichsleiter Rolf Kaltenberger. Von Vorteil sei, dass sich die Produktion gut in einfache Arbeitsschritte zerlegen lasse. Man stelle ein hochwertiges Produkt her, müsse allerdings einen gewissen Aufwand kalkulieren und die Anleiter beim Umgang mit Menschen mit Behinderung schulen. „Es kann schon sein, dass jemand sechs Wochen ausfällt, wenn es eine Krise gibt“, so Kaltenberger. Insgesamt aber gelinge das gemeinsame Arbeiten gut. Inzwischen erkundigten sich immer wieder andere Firmen nach der Zusammenarbeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen.

„Es wird nicht mehr geprüft als nötig“

Ralf Ehring, Unternehmensbereichsleiter bei der Neuen Arbeit, empfahl die Möglichkeiten wahrzunehmen, die Aktion Mensch bietet. Das Handling sei nicht schwierig. „Besonders angenehm ist, dass nicht mehr geprüft wird als nötig.“ Allerdings müsse man die Zeiträume bei der Antragstellung beachten und mit mindestens drei Monaten rechnen.

Die Aktion Mensch möchte vor allem auch kleine Initiativen ansprechen, die Geld brauchen, um starten zu können. Dafür können bis zu 5000 Euro beantragt und die Anträge problemlos über das Internet abgegeben werden. Bei größeren Projekten, die Höchstsumme beträgt 250.000 Euro, prüfe man genauer, dann werden auch Eigenmittel und ein betriebswirtschaftliches Gutachten verlangt. Damit soll vor allem gesichert werden, dass ein Projekt lange besteht. „Das minimiert auch für den Betreiber das Risiko eines wirtschaftlichen Schadens“, so Ehring. In den letzten 10 Jahren hat die Aktion Menschen 900 Projekte in Stuttgart mit insgesamt 23 Millionen Mark gefördert.

Einig waren sich alle, dass die Inklusion erst noch am Anfang steht und noch viel getan werden muss. Man sehe zwar heute mehr behinderte Menschen auf der Straße als früher, meinte Ursula Marx, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Stuttgart. „Aber die Begegnung von behinderten und nichtbehinderten Menschen müssen wir noch organisieren. Dafür brauchen wir Möglichkeiten und Räume.“ Marx plädierte dafür, „nicht auf Defizite zu schauen, sondern auf die Fähigkeiten.“