Das Projekt vermittelt den Kleinsten den Wert der StreuobstwiesenSinnstiftung3
Streuobstwiesenprojekt der Neuen Arbeit im Einsatz für Kinder, Arbeitslose und die Natur

Das Streuobstwiesenprojekt der Neuen Arbeit ist an Sinnhaftigkeit eigentlich nicht zu überbieten und man fragt sich, warum es nicht mehr von solchen Projekten gibt. Das Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds und dem Jobcenter Ludwigsburg gefördert.

Wir treffen uns mit dem Projektleiter Uwe Flächsenhaar in Ingersheim, dort befinden sich die Sozialräume des Projektes. Nach hinten heraus tritt man in einen schönen herbstlichen Garten, der zum größten Teil schon abgeerntet ist. Hier wuchsen und wachsen Tomaten, Bohnen, Salat, Rettich, Gurken, Blumen, Rote Beete und vieles mehr in Bioqualität. Über 200 frische Salatköpfe und viel Gemüse seien an die Schwäbische Tafel geliefert worden, berichten die Teilnehmer. Die arbeitslosen Projektteilnehmer haben gesät und gepflanzt und dürfen Gemüse für den täglichen Bedarf mit nach Hause nehmen. Ein Projektteilnehmer berichtet, dass er noch nie so viel frischen Salat gegessen hätte und dass er die Erzeugung eigener Lebensmittel schätzen gelernt hat.

15 Personen sind im Projekt und arbeiten je 20 Stunden in der Woche im Schichtbetrieb. Sie werden mit zwei Euro in der Stunde entlohnt. Die Fahrkarte müssen die Teilnehmer selbst bezahlen. Übers Jahr werden schwerpunktmäßig Streuobstwiesen gepflegt oder komplett wiederhergerichtet. Die Teilnehmer machen Obstbaumschnitt, roden verwilderte Grundstücke, setzen bei Bedarf neue Bäume und mähen Wiesen und Hecken. Dazu werden Neophyten, das sind nichteinheimische Pflanzen wie die Goldrute oder indisches Springkraut, entfernt und andere Arbeiten zum Schutz der Natur erledigt. „Viele müssen sich erstmal daran gewöhnen, den ganzen Tag bei Wind und Wetter draußen zu sein“, berichtet Uwe Flächsenhaar.

Das Projekt ist erst seit dem 1.1.2015 am Start. Alle Kontakte und Strukturen mussten neu aufgebaut und zu pflegende Flächen gefunden werden. Der überwiegende Teil der Streuobstwiesen befindet sich im öffentlichen Besitz. Einige wenige private Grundstücke dürfen als Ausgleich für die Pflege pachtfrei abgeerntet werden.

Dass hier arbeitslose Menschen eine sinnvolle und vielseitige Tätigkeit finden und dabei die Natur und Kulturlandschaft erhalten, ist noch nicht genug. Flächsenhaar und sein Team laden Grundschulen und Kindergärten ein, um Streuobstwiesen zu beernten und Saft zu pressen. Den Kindern wird damit sehr anschaulich die Schönheit und der Nutzen der Streuobstwiesen für Mensch und Tier nahegebracht. Es ist gut, wenn man zeigen kann, wo der Specht wohnt und dass der Apfelsaft aus Äpfeln gewonnen wird. Dafür wurden eigens eine Saftpresse und eine Maischmühle angeschafft.

So schön, so gut, wenn nicht die Befristung wäre. Das Projekt wurde nur für ein Jahr bewilligt und hofft auf Verlängerung im Jahr 2016. Auch die Projektteilnehmer müssen mit der Befristung leben. Zugang zum Projekt gibt es immer nur für sechs Monate mit möglicher Verlängerung um drei Monate, dann ist Schluss. „Es ist schade, die Menschen haben sich gerade eingearbeitet und müssen dann schon wieder gehen“, berichtet Flächsenhaar. Zwei Teilnehmer konnten aus dem Projekt direkt in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Dabei ist die Identifikation mit der Arbeit extrem hoch. Einer der Teilnehmer hat seine eigene Kamera mitgebracht und lässt sich bei der Arbeit mit den Kindern an der Saftpresse fotografieren, um die Bilder seiner Frau und seinen Kindern daheim voller Stolz zu zeigen.