Armin Markmeyer und Bürgermeister Werner Wölfle während des Festakts zum 20-jährigen Bestehen des Kulturwerks.

Ein leuchtender Stern.

Zum 20-jährigen Bestehen des Kulturwerks

„Wenn die richtigen Leute zur richtigen Zeit aufeinandertreffen und miteinander arbeiten, dann kommt so etwas dabei heraus, wie das Kulturwerk. Und darauf können wir alle stolz sein“, so Werner Wölfle, Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart für Soziales und gesellschaftliche Integration.
An die Verantwortlichen des Kulturwerk gerichtet sagte Wölfle: „Ohne ihre Ideen und ihre Tatkraft wären wir heute nicht da, wo wir sind.“ Im Rahmen der Feierstunde am 17. November versprach Wölfe, sich dafür einzusetzen, dass das Kulturwerk endlich als unverzichtbare Einrichtung und als soziokulturelles Zentrum für Stuttgart anerkannt und abgesichert wird. Es habe seine unentbehrliche Bedeutung in den letzten 20 Jahren ausreichend bewiesen. Der Festakt war Teil einer Festwoche zum 20. Geburtstag des Kulturwerks. Dazu gehörte auch ein Tag der offenen Türen.

Seit 1996 bietet das Kulturwerk suchtabhängigen, aber auch psychisch kranken Menschen und chancenarmen jungen Erwachsenen Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsmöglichkeiten an. Ausgehend von der Unzufriedenheit der Projektteilnehmenden hat man in der Gründungsphase den werktherapeutischen Ansatz verworfen. Stattdessen entwickelte man ein soziokulturelles Projekt mit Kulturbühne und Gastronomie. Von Beginn an war die Wilde Bühne an Bord, das soziokulturelle Forum für ehemalige Drogenabhängige unter der Leitung von Lea und Rolf Butsch, das mit interaktiven Theaterstücken zur Suchtprävention für Jugendliche bis heute ein wesentlicher Bestandteil des Kulturwerkprogrammes ist. 1999 startete eine bis heute tragende und sehr erfolgreiche Kooperation mit Release und der gemeinsame Start des teilstationären Therapieangebots Tagwerk.

Ulrich Binder, Geschäftsführer von Release, sagte während des Festaktes: „Hier im Kulturwerk gibt es echte Arbeit, realitätsnah, alltagsorientiert und arbeitsmarktnah, und nur so funktioniert es. Das ist keine Beschäftigungstherapie, sondern Arbeit, die Sinn macht und die Menschen fordert.“ „Wir vertrauen einander, wir schätzen uns und wir sehen keinen Grund, dass wir das in den nächsten 20 Jahren anders machen sollten. Danke für die exzellente Zusammenarbeit.“ 1998 erhielt das Kulturwerk eine IHK-Zulassung und bildete seither 30 sogenannte chancenarme Jugendliche in vier Berufsbildern aus. Nach der Hartz IV-Reform wurde die finanzielle Förderung zunehmend kritischer und unsicherer. Überlebenswichtig wurden die Förderungen durch den Europäischen Sozialfonds und durch Landeshauptstadt Stuttgart. Seit 2013 arbeitet Faruk Özkan von Release zwei Tage in der Woche im Kulturwerk. Suchtabhängige Menschen mit einem Migrationshintergrund finden in ihm einen Ansprechpartner, dem sie vertrauen können. Im laufenden Jahr unterstützt das Kulturwerk an die 150 Menschen.

Marc Hentschke, Geschäftsführer des gemeinnützigen Sozialunternehmens Neue Arbeit, zu dem das Kulturwerk gehört, sagte im Rahmen des Festaktes: „Wir freuen uns, dass wir mit dem Kulturwerk einen leuchtenden Stern haben.“ Er betonte, dass die Neue Arbeit mit ihren protestantischen Wurzeln „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten will.

Pfarrerin Esther Kuhn-Luz stellte das tägliche gemeinsame Mittagessen aller Projekteilnehmenden in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Sie sei berührt vom Bild gemeinsam essender Menschen, das sei ein Moment von Lebensglück, hier könne man einen Augenblick Mensch sein. Das Bild stehe für die Vision von einem Leben in Gerechtigkeit und dem einander Zuhören. Wie beim Brettspiel „Mensch ärgere dich nicht“ gäbe es Menschen, die ohne eigenes Verschulden rausgeworfen würden aus den normalen gesellschaftlichen Zusammenhängen oder gar nicht erst ins Spiel kämen. Christen dürften sich nicht damit abfinden, dass immer mehr Menschen zum Opfer würden. Sie erinnerte daran, dass die Neue Arbeit und das Kulturwerk gegründet worden seien, um Menschen die am Rand der Gesellschaft stehen, zu helfen.

Birgit Schneider-Bönninger, Kulturamtsleiterin der Stadt Stuttgart, dankte dem im Kulturwerk beheimateten Theaterensemble Wilde Bühne für Momente des Kulturglücks und Theater mit Herz-und Leidenschaft. Die Stadt könne stolz auf das Kulturwerk sein.

Zum Jubiläum haben zahlreiche Partner, Freunde und Förderer dem Kulturwerk mit kreativen Glückwünschen ihre Referenz erwiesen.
Diese finden Sie auf www.kulturwerk.de

Außerdem wurde ein Magazin mit dem Titel „Kultur(Arbeit) wirkt“ zum 20-jährigen Bestehen herausgegeben, das spannende Einblicke hinter die Kulissen des Kulturwerks gewährt.
Zu finden unter: www.neuearbeit.de/downloads/Magazin_20Jahre_Kulturwerk.pdf

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