Zum ungewönhlichern Gottesdienst in der Pauluskirche Zuffenhausen gehörte auch eine Modenschau

Second-Hand-Gottesdienst in der Pauluskirche fragt danach, wieviel der Mensch braucht

„Mit weniger mehr leben“ war der Titel eines ungewöhnlichen Gottesdienstes in der Pauluskirche Zuffenhausen. Daran beteiligt war das Second-Hand-Sozialkaufhaus der Neuen Arbeit in Bad Cannstatt. Der Gottesdienst drehte sich um die Frage, wieviel man als Einzelner zum Leben braucht.

Pfarrer Dieter Kümmel meinte in seiner Ansprache, dass der Titel von manchen als zynisch empfunden werden könnte, etwa von Menschen, die gerade arbeitslos wurden. Auf der anderen Seite sammelten die Menschen auch vieles an, statistisch habe jeder Deutsche 10.000 Dinge. Er selbst habe viele Dinge über Jahre im Keller nur aufgehoben – auch mit der Erwartung, man könne sie vielleicht wieder brauchen – bis ein Teil durch einen Wasserschaden zerstört wurden. „Jetzt sind die Kartons im Keller weniger geworden“, so Kümmel. Es falle Menschen schwer, Dinge wegzugeben, weil an den meisten auch persönliche Erlebnisse und Erinnerungen hängen. Jesus fordere die Menschen aber auf, sich „keine Schätze auf Erden zu sammeln, sondern im Himmel.“
Dass die Nebenwirkungen der Waren-Produktion oft unterschätzt werden, machte Martin Tertelmann von der Neuen Arbeit klar: Allein für die Herstellung eines T-Shirts würden 5000 Liter Wasser benötigt, für eine Jeans sogar 8000. Deshalb sei es wichtig, die Dinge wiederzuverwerten, so wie es im Second-Hand-Sozialkaufhaus geschieht. Das Kaufhaus hatte deswegen einen Stand aufgestellt, es gab auch eine Modenschau mit gebrauchter Kleidung. Gleichzeitig konnten die Gottesdienstbesucher Dinge, die sie nicht mehr brauchen, abgeben. Sie machten rege davon Gebrauch: Fast ein ganzer LKW mit gebrauchten Waren kam zusammen.