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  • Subline / Untertitel: Carsten Herzog arbeitet auf einer AGH-Stelle bei ReUse in Esslingen. Er ist froh, dass er trotz seiner Krankheiten arbeiten kann
Carsten Herzog ist seit 11 Jahren bei ReUse in Esslingen und sorgt dort auch für gute Laune

Verbeugen müssen Sie sich nicht“, meint Carsten Herzog, als ich, anstatt die Hand zu geben, ihn so begrüße, „ein Hand kuss genügt“. Ein Scherz liegt Herzog immer auf der Zunge und er wird dafür auch an seiner Arbeitsstelle geschätzt, dem Projekt ReUse in Esslingen-Berkheim. Herzog ist hier bereits seit elf Jahren.

Herzog erzählt gerne, das merkt man etwa, wenn man ihn fragt, was er früher gemacht hat. „Ich war zwölf Jahre als Schausteller unterwegs“, berichtet er „es war eine schöne Zeit“. Schon als Kind hat ihn das Milieu angezogen und er war mit dem Sohn eines Schaustellerpaars befreundet und später mit unterwegs. „Das war meine zweite Familie“, meint er, „die haben mich wie einen eigenen Sohn behandelt. Wir waren dann wie Geschwister. Es hat dann auch Streit gegeben, aber das gehört bei Geschwistern dazu.“ Hildesheim, Hannover, Kassel, Braunschweig waren Orte, in denen das Fahrgeschäft gastierte. Herzog übernahm dort alle Aufgaben in diesem Geschäft – Auf- und Abbau, Transport, Kasse, die Sicherheit im Blick behalten und die Ansagen machen. Man kann sich gut vorstellen, dass er schon damals den einen oder anderen lustigen Spruch über die Lautsprecher geschickt hat.

„Ich mache viele Späße, auch wenn es drinnen anders aussieht“, meint er. Und dass es drinnen anders aussieht, versteht man dann auch schnell. Herzog leidet unter chronischen Schmerzen durch eine Arthrose im Bein, vor allem aber durch die Wirbelsäule. Drei Wirbel mussten versteift werden, ein so genannter „Neurostimulator“, der elektrische Impulse an die Nerven aussendet, wurde ihm 2008 implantiert,. „Das überdeckt den Schmerz“, meint Herzog. Doch es ist nur eine Linderung, keine Heilung.

Herzog hat eine Anerkennung einer Behinderung von 40 Prozent. „Ich kenne das Gefühl nicht mehr, ohne Schmerzen zu leben“, meint er und fühlt sich unverstanden, wenn andere dies nicht verstehen. „Kopfschmerzen gehen wieder weg, meine nicht.“ Die chronischen Schmerzen haben Folgen: Er leidet unter permanentem Schlafmangel, oft kann sich sein Zustand schlagartig ändern „Einmal wollte ich mit dem Roller zur Arbeit fahren. Aber beim Hochheben der Plane habe ich schon gemerkt: Das geht heute nicht. Meine Kollegen haben dann gesagt: ‚Wir dachten, Du willst mit dem Roller kommen‘. Ich habe dann geantwortet: ‚Das habe ich auch gedacht.‘“

Herzog ist froh, dass er Ärzte gefunden hat, zu denen er Vertrauen hat. „Der Arzt, der mir das Gerät eingesetzt hat, hat mir zwei Stunden alles genau erklärt“, berichtet er. „Zwei Stunden, nicht nur zwei Minuten.“ Seine beiden Töchter, die in Esslingen leben, helfen ihm regelmäßig. Zum Glück haben Landratsamt und Jobcenter seine AGH-Stelle immer wieder verlängert. Zur Neuen Arbeit – damals noch EBI in Altbach – ist er aus eigenem Engagement gekommen. „Ich bin zum Arbeitsamt gegangen, ich sage immer noch Arbeitsamt, und habe gesagt: ‚Ich kann nicht den ganzen Tag daheim bleiben. Ihr seid hier, um Arbeit zu vermitteln“, erzählt er. Die Arbeit bedeutet ihm bis heute viel: „Ich freue mich jeden Morgen darauf. Da ist man wenigstens ein bisschen abgelenkt. Und man hat die sozialen Kontakte. Sonst kommt man sich ja vor wie der Graf von Monte Christo“, so Herzog. Auch die Kollegen und Kolleginnen schätzen Herzog. „Die Atmosphäre ist anders, wenn er da ist. Er macht viele Witze und hält sie bei Laune“, so Sozialarbeiterin Katalin Boer. „Das hilft ihm und uns natürlich auch.“

Herzog, das merkt man, versucht aus seiner Situation das Beste zu machen und den Humor nicht zu verlieren. Und so gibt er einem beim Abschied noch einen Witz mit auf den Weg.

Friedrich Kern