Der Tafellieferservice kommt einmal in der Woche„Die meisten sind unglaublich dankbar“

Seit Juli läuft der kostenlose Tafellieferservice der Neuen Arbeit, vor kurzem wurde er bis 31. März verlängert. Wie der Dienst funktioniert, erfahren Sie hier.

Es ist Mittwoch, 10.30 Uhr. Am Hinterausgang der Tafel Möhringen steht Antonia Köser. Die Studentin gehört zu den Tafellieferhelden. Drinnen suchen derweil Mitarbeitende der Tafel sukzessive die Bestellungen zusammen. „Während ich die eine Bestellung ins Auto bringe, wird die nächste bearbeitet“, so Köser. Neun Kunden sind es an diesem Tag.

Nicht alle Waren sind in der Tafel vorrätig, die nur das anbietet, was ihr gespendet wird. Obst, Gemüse, Milchprodukte und Brot liegen in den Kisten. „Reis, Nudeln oder Zucker gibt es selten.“ Deswegen werden die Körbe später mit Waren aus dem CAP-Markt Fasanenhof aufgefüllt.
Die „Tafellieferhelden“ sind ein Projekt, das durch die Aktion Mensch möglich wurde. Durchgeführt wird es in Kooperation mit der Schwäbischen Tafel. Der Grundgedanke: Für bedürftige gehbehinderte oder ältere Menschen ist der Einkauf in den Tafeln in der Corona-Krise noch schwieriger geworden. Sie können nicht lange anstehen oder gehören zu Risikogruppe. Diese Menschen erhalten von den Tafellieferhelden kostenlose Lebensmittel, aber auch Drogerie- und Hygieneartikel, im begrenzten Umfang.


Antonia Köser stellt die Lieferungen im CAP-Markt Fasanenhof zusammenKöser ist inzwischen im CAP-Markt Fasanenhof angekommen. Hier werden die Körbe mit dem aufgefüllt, was es im Tafelladen nicht gibt. Sie nimmt sich einen Einkaufskorb, flitzt durch den Markt und stellt die Waren in einem Nebenraum ab. Danach geht es zur Bestellung der nächste Kundin oder des nächsten Kunden. Neun Körbe sind es insgesamt, nach jeweils drei Körben geht sie zur Kasse und bezahlt. Mehr geht nicht einen Einkaufswagen. Es ist ein kleiner Langstreckenlauf, den Köser bewältigt, nur bei der Hefe dauert es einen Augenblick: „Die muss man in jedem Supermarkt immer suchen“. Dabei muss sie auch darauf achten, dass das vorgesehene Budget eingehalten wird. Es heißt also: Laufen, Einpacken, Rechnen.
Köser ist seit zwei Monaten dabei, sie hat zuvor schon ehrenamtlich in der Tafel gearbeitet. „Mir geht es auch um das Gespräch“, meint sie, „die meisten sind unglaublich dankbar.“ Manchmal muss sie auch Bestellungen ablehnen, zum Beispiel Safran.
Aber die Menschen bekämen schnell ein Gefühl dafür, was möglich ist. Das liegt auch daran, dass die Kundinnen und Kunden eine Abrechnung bekommen – auch wenn sie nichts zahlen müssen.
Inzwischen ist mit Verena Baumann eine weitere Helferin dazugekommen. Sie legt die Einkäufe aus dem CAP-Markt in die Kisten mit der Ware aus dem Tafelladen. Während es in der einen Kiste neben Hafermilch fast nur Obst und Gemüse gibt, findet sich in einer anderen viel Kuchen und Schokolade. Obst und Gemüse bestellen fast alle, daneben gibt es Milch, Jogurt und Butter, abgepackter Käse und Wurst, Öl, Brot und Nudeln, aber auch Klopapier. Genommen wird immer das günstigste Produkt.


Für das Foto unmaskiert: Antonia Köser und Verena Baumann vor dem gepackten LieferfahrzeugNachdem alles eingesammelt ist, werden die Kisten in der richtigen Reihenfolge ins Auto gepackt und es geht los. Zuerst geht es zu Melanie Klein. Sie lebt von einer Berufsunfähigkeitsrente und erhält zusätzlich Sozialhilfe. „Ich bin sehr dankbar für den Tafellieferservice“, sagt sie. „Ich gehe seit drei bis vier Jahren in die Tafel, kann aber nicht so lange anstehen. Außerdem kann man sich Obst und Gemüse im Winter oft nicht leisten.“ Sie hat den Flyer im Tafelladen erhalten, die Mitarbeiter des Tafellieferservice seien freundlich. „Ich bin sehr dankbar für das Format.“
Köser und Baumann haben noch weitere Auslieferungen vor sich. Es ist eine große Tour die durch Sillenbuch, Stuttgart-Süd, Dürrlewang und nach Möhringen geht.

Kurzinfo:

Der Tafellieferservice wird in Stuttgart-Mitte, Möhringen und Fellbach angeboten. Geliefert wird jeweils in einem Umkreis von fünf Kilometern des jeweiligen Taffelladens. Die Aktion geht noch bis 31. März 2021. Informationen gibt es hier