Anleiter Michael Fiedler und Teilnehmer Ralf Hartmayer vor dem Daimlerturm im Kurpark.„Man kann sehen, was man noch kann“

„Grünservice Bad Cannstatt“ bietet niederschwelliges Angebot zurück in die Arbeit

Den Park kennt kaum jemand“, sagt Michael Fiedler, der die Gruppe vor Ort führt. Ganz so stimmt das natürlich nicht. Wie in jedem Park gibt es Jogger und Spaziergänger, Kinder sind eifrig am Spielplatz beschäftigt. Und hier steht die ehemalige Werkstatt von Gottlieb Daimler. Hier also, in dem nicht so ganz bekannten Park, sorgt der „Grünservice Bad Cannstatt“ für Sauberkeit. Es ist ein niederschwelliges Angebot für „Menschen in Arbeitslosengeld II-Bezug“, die von den üblichen Jobcenter- Maßnahmen nicht erreicht werden, gerne aber wieder Arbeiten im Freien übernehmen möchten.

Rolf Hartmayer ist einer dieser Menschen, für die das Projekt einen Schritt zur Stabilisierung bedeutet. Er ist gerne in der Natur. „Ich bin gelernter Pferdewirt, die Natur ist mein Steckenpferd“, erzählt er. Er liebt es auch, Vögel zu beobachten. Er sieht die Arbeit hier als Sprungbrett zurück in den Beruf. „Man kann sehen, was man noch kann. Für mich könnten es sogar noch ein paar Stunden mehr sein.“ Doch nicht nur die Arbeit selbst motiviert ihn, auch das Feedback „Wir bekommen positive Rückmeldungen von Passanten. Die freuen sich, dass es hier so sauber ist. Das tut gut.“

Wege und Treppen sauber zu halten gehört zu den wichtigen Aufgaben des „Grünservice“.Tatsächlich bekommt der Park durch den Grünservice viel Pflege und zwar nach Wochenplan. Gearbeitet wird von Montag bis Donnerstag von 9 bis 14 Uhr. Scherben und Müll werden jeden Tag eingesammelt, wobei es nach dem Wochenende hier besonders viel zu tun gibt, erzählt Fiedler. Zusätzlich sind montags die Bänke dran, am Dienstag die „Wassergebundenen Wege“, mittwochs die Wasserrinnen und donnerstags die Treppen. „Drei Beschäftige gibt es im Moment“, erzählt Fiedler, zehn Plätze gibt es insgesamt, acht Menschen waren seit dem Start im letzten Oktober da. Die Teilnahme ist freiwillig, als Motivationsprämie gibt es 1,50 Euro pro Arbeitsstunde.

Das Modellprojekt läuft für zunächst zwei Jahre. Entstanden ist es, weil wohnungslose Menschen mit höherem Hilfebedarf den Anforderungen den üblichen SGB-II-Maßnahmen des Jobcenters und demnach denen des ersten Arbeitsmarktes oft nicht nachkommen können. Beim Projekt kooperieren das Haus Wartburg der eva, die Ambulante Hilfe und die Neue Arbeit. Auch das Bezirksamt Bad Cannstatt ist beteiligt und stellt zugleich einen Raum für den Aufenthalt und die Verwahrung von Arbeitskleidung und Werkzeug zur Verfügung. Unterstützt wird das Projekt vom Jobcenter und der Landeshauptstadt Stuttgart.

Ansprechpartnerin bei der Neuen Arbeit ist Dr. Bettina Schmalzbauer: email senden