Pro Arbeit 2021 LivestreamAus der Krise zum Blick in die Zukunft

Pro Arbeit sozial 2021 fand als Präsenzveranstaltung statt - Langzeitarbeitslose fordern stärkere Beteiligung

Zukunft der Arbeitsmarktpolitik – Auswirkungen der Krise“ war der Titel der diesjährigen „Pro Arbeit sozial“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Diese konnte erfreulicherweise wieder in Präsenz stattfinden, wenn auch auf 100 Personen beschränkt.

Parallel gab es einen Live-Stream, der von bis zu 70 Personen genutzt wurde. Über den Chat kamen einige Fragen und Anmerkungen, die in die Veranstaltung einflossen.
Inhaltlich wurde ein weiter Bogen gespannt, von der Arbeitsmarktlage in Deutschland bis zu einzelnen konkreten Hilfeprojekten vor Ort, von der Wissenschaft bis zu Statements von Langzeitarbeitslosen.
Am Vormittag skizzierte die Autorin und Journalistin Ulrike Herrmann in einem eingespielten Vortrag die Zukunft des Arbeitsmarktes aus ihrer Sicht. Wegen des demographischen Wandels und des Umbaus der Wirtschaft aufgrund der Klimakrise werde sich der Arbeitsmarkt grundlegend ändern. Hohe Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit, also Probleme die die Gesellschaft seit Mitte der 70er Jahre begleiten, würden verschwinden. „Eine Epoche geht zu Ende“, so Herrnann.

Das neue Problem sei der Fachkräftemangel. Dieser berge zwar Chancen für die Arbeitnehmer mit Blick auf Lohnsteigerungen, gleichzeitig werde der Druck steigen, schnell in Arbeit zu kommen, viel und lange zu arbeiten, es werde weniger Freiraum für die Arbeitnehmer/-innen geben. „Bis 2050 werden 12 Millionen Arbeitskräfte fehlen, dabei sind Faktoren wie die Zuwanderung schon eingerechnet“, so Hermann. Bereits jetzt gebe es beinahe Vollbeschäftigung, grundlegende Änderung beim Hartz IV-System erwartet Hermann allerdings nicht, obwohl das System dringend reformiert werden müsse.

„Helft uns, aus uns zu machen, was in uns steckt!“

Genau hier, bei Änderungen in den Jobcentern, setzte die „Zukunftswerkstatt für Langzeitarbeitslose“ an. Dabei haben ALG II-Bezieherinnen und -bezieher Vorschläge erarbeitet, wie die Maßnahmen für Langzeitarbeitslose verbessert werden können. Sie wünschen sich vor allem eine Behandlung auf Augenhöhe und mehr Beteiligung bei der Konzeption, Auswahl und Bewertung von Maßnahmen. „Wir sind nicht Euer Bild von uns in Euren Köpfen“, so Heiner Moser, einer der Beteiligten. „Helft uns, aus uns zu machen, was in uns steckt!“, sagt Monika Seltmann. Zu den Forderungen gehören etwa Lohnfortzahlung bei Urlaub und Krankheit auch in den Maßnahmen, ein besserer Zugang zu Informationen oder der Wunsch nach einem Rollentausch von Jobentermitarbeitenden und Maßnahmeteilnehmer/-innen, um das gegenseitige Verständnis zu verbessern. Außderdem wurde in der Zukunftswerkstatt eine " Interessengemeinschaft Langzeitarbeitsloser" (IGELA) gegründet.


Pro Arbeit 2021 Diskussion Im weiteren Verlauf des Tages gab es zwei Schwerpunkte: An Praxisbeispielen vor Ort wurde deutlich, dass Hilfe gut gelingen kann, wenn sie auf die Betroffenen zugeschnitten ist und alle Beteiligten mitziehen. Außerdem wurde die Arbeit von Jobcentern, Kommunen und Trägern während der Corona-Krise diskutiert. Deutlich wurde, dass Betroffene oft keinen Ansprechpartner fanden und das Hilfesystem insgesamt überlastet war. Dabei wies Dr. Alexandra Sußmann, Sozialbürgermeisterin von Stuttgart, Kritik an der mangeldnen Erreichbarkeit in den Kommunen zurück: „Es gab keinen Masterplan für die Krise“. Einig war man sich allerdings, dass das Hilfystem krisenfester werden und die digitale Infrastruktur ausgebaut werden muss.

Dokumente zu der diesjährigen Pro Arbeit sozial und der Zukunftswerkstatt sowie den Livestream finden Sie unter www.proarbeit-sozial.de